Entnommen aus „Berliner Radsport“ Ausgabe
Nr. 12, Dezember 2000
Nun seit 90 Jahren Schöneberger Idunen
Einer der Berliner Traditionsvereine ist der
Schöneberger
RV Iduna. Vor nunmehr 90 Jahren gegründet, hat er entscheidend
zum Ansehen des Radsports in der Stadt beigetragen und seinen
guten Ruf in ganz Deutschland sowie international mehren helfen,
Besonders der jetzt in Löhne beheimatete 83jährige
Werner Bunzel mit seinen Deutschen Sprintmeistertiteln bei
den Amateuren 1941/ 42 und 1946, dazu als Profi 1948. Außerdem
findet sich der Name des schnellen Iduna-Fliegers in zahlreichen
Ehrenlisten bedeutender Rennen wieder. Leider verhinderten
die Zeitläufe Einsatz und Erfolg bei internationalen
Meisterschaffen.
In vielen Jahren hatten der langjährige Vorsitzende und
spätere Ehrenvorsitzende Karl Uhlein gemeinsam mit dem
Sportwart Richard Hanisch und Kassenwart Fritz Putzke den Grundstein
für einen erfolgreichen Weg des Vereins gelegt, der bis
auf den heutigen Tag alle Höhen und Tiefen überwinden
konnte und im Berliner Verbandsleben eine feste Größe
darstellt.
Leider haben zwei sinnlose Kriege, denen auch zahlreiche
Iduna-Talente zum Opfer fielen, die Jahre von 1914-1918
und 1939/945 überschattet.
Walter Kirschkes Aufbauwerk als erster Vereinsvorsitzender
war zwar vier Jahre nach Gründung jäh unterbrochen,
aufzuhalten war es nicht. 1933 verstärkte der RV Tornado
die Reihen des seit 1925 von Karl Uhlein geführten Vereins,
der sich kurzzeitig sogar dem Motorsport verschrieb, eine eigene
Abteilung gründete, die sehr erfolgreich war.
Bald dominierte aber doch der Radsport. Mit Krahn und
Schuler wurden zwei hoffnungsvolle Renner in die Nationalmannschaft
berufen. Die jüngsten Talente Grigat-Kannewischer-Ohm-Zawatzki
brachten 1939 aus Köln den Deutschen Jugendmeistertitel
mit heim.
Werner Bunzel war wie erwähnt das Aushängeschild
des Vereins, gewann auch mit dem Sturmvogel Harry Saager den
Tandem-Titel. Nach einer behördlich verordneten Zwangspause
setzte Karl Uhlein gemeinsam mit Fritz Putzke den Weg des RV
Iduna fort, unterstützt von Männern wie Georg Kirschke,
Alfred Paasch und Edwin Kühne. Sie bauten auf solche Fahrer
wie Egerland, Kühne, Boehm und Drescher, die 1947 als
Deutscher Bahnvierer-Meister an frühere Zeiten anknüpften,
Heinz Boehm, Achim Flaschka, Karl Plambeck, Hans-Peter Reimann,
Rainer-Bernd Zimmermann, Manfred Kurz und Horst Gewiß hielten
den Namen Iduna mit ihren Erfolgen in Berlin bis hin zu DM-Medaillen
weiter in Ehren. Ihnen folgten Hans Pirius, Manfred und Michael
Gehrmann und so manches Talent wie Fabian Urban. Letzteren
wie andere Hoffnungen im Verein betreut Florian Laschinsky
mit Sachverstand wie Engagement gleichermaßen erfolgreich.
Eine besondere Zeit leitete Gerhard Passow bei
den Schönebergern
ein, der 1982 den Vereinsvorsitz übernommen hatte. Als
rühriger Veranstalter war Iduna aus keinem Terminkalender
hinwegzudenken, wartete mit solchen Höhepunkten wie der
Ausrichtung mehrerer Polizei-Europameisterschaften im Radsport
auf.
Nach dem Fall der Mauer war es Passow und seine
Idunen, die sofort Kontakt nach dem Osten knüpften, mit Semper eine
sehr ersprießliche Partnerschaft einleiteten. Wenn auch
keine gemeinsamen Rennen mehr auf dem Programm stehen, die
gute Zusammenarbeit ist geblieben und trägt Früchte
für den Berliner Radsport.
Dafür sorgt auch der jetzige Vorsitzende Horst Laukait
unter dessen Ägide dem populär gewordenen Breitensport
erheblich Bedeutung zukommt, wie zahlreiche RTF-Events zeigen.
Hans Oeftger